Extract from land registry in Hungary

Extract from land registry in Hungary

There is a variety why you might need an extract from land registry in Hungary:

– Hungarian estate case

– Information about Hungarian debtors

– Purchase of real estate in Hungary

And a large number of other cases.

We help you get an extract – be it an official one or – cheaper – an unofficial, yet trustworthy one.

What we need is the precise address or the number of the parcel.

Easiest is if you write a short email giving your data and the data of the premises. You can use the following email-address: 

hungarianlawyer@email.de

Or you find our details here

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt – Lawyer
office-ebert@email.de

Handelsregisterauszug aus Ungarn

Handelsregisterauszug aus Ungarn

Wenn Sie einen Handelsregisterauszug aus Ungarn benötigen, so werden Sie sicherlich verschiedenen Schwierigkeiten begegnen.

Wo erhalten Sie diesen?

In welcher Sprache bekommen Sie den Auszug?

Und sicherlich nicht zuletzt: Wie verstehen Sie diesen – selbst wenn es Ihnen gelingt, einen solchen zu bekommen?

Wir besorgen für Sie die erforderlichen Informationen und erläutern Ihnen die Informationen.

Sprechen Sie uns an, Sie erhalten transparente Informationen und einen klaren Überblick über die Kosten.

Sie erreichen uns hier.  

Wir geben im Übrigen auch gerne Rechtsrat zu vielfältigen Problemen, die sich im Zusammenhang mit ungarischen Unternehmen ergeben. Zu unserem Tätigkeitsprofil gehört auch die Forderungsgeltendmachung in Ungarn, Einleitung von Insolvenzverfahren, Vollstreckung von deutschen Titeln – Urteilen, Beschlüssen etc. – in Ungarn.

Schildern Sie uns Ihren Fall – am besten in einer E-Mail und wir geben Ihnen verlässliche Auskunft. Dazu mag auch gehören, dass wir Ihnen einen Empfehlung für einen für Ihre Sache kompetenteren Kollegen abgeben. Wir können ja nicht alles können. Aber wir stehen dazu und sind unseren Mandanten gegenüber auch in dieser Hinsicht stets offen und ehrlich. 

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt – Lawyer – Ügyvéd (HU, D)
office-ebert@email.de

Fines for drunk driving in Germany

Fines for drunk driving in Germany

For drunk driving in Germany obviously fines are imposed rather than prison punishments. The amount to be paid depends on a variety of factors, such as the blood alcohol, was anyone endangered, did an accident happen, are there any previous convictions etc.

The fine itself is calculated in a system of daily rates. The number of daily rates depends on the seriousness of the trespassing, the amount depends on the income of the accused.

We often find numbers of daily rates varying between 30 (which would be very mild) and 120. But higher or lower numbers are possible. 

For calculating the amount the net income of the person is taken and divided by thirty. But not only tax has to be reduced from the income, but also other aspects will be taken into account.

For these other factors, there are no strict rules by law, it depends to a great deal on the practice at that certain court or judge. From a general experience you might say that if a person is married, 20 % of the income are subtracted, for each child it could be ten %. 

Other factors might also be taken into account like regular obligations for compounding debts etc.

What is really important is that those factors are communicated to the prosecution at an early stage. This is particularly true, if the case is not brought to court for an oral hearing, but might be finished with an „order of punishment“ – which is a written procedure. 

If you have an issue in Germany with a criminal procedure of any kind, you should contact a competent lawyer – with whom you can really communicate in English.

If you need us, you can find all availabilities here

 

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt
Lawyer in D and HU
office-ebert@email.de

Arrest warrant from EULEX

Arrest warrant from EULEX

Arrest warrant from EULEX: the short video gives you a short introduction into what this topic.

If you have an issue with EULEX, you can pick up contact with us here. We can assist you in English.

Dr. Donat Ebert Rechtsanwalt, Lawyer (D), Avokat (KS) office-ebert@email.de

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt, Lawyer (D), Avokat (KS)
office-ebert@email.de

Nachlassverfahren in Deutschland – spezielle Fragen 7

Nachlassverfahren in Deutschland – spezielle Fragen 7

Wie gelangt das Testament zum Nachlassgericht?

Testamente in amtlicher Verwahrung (also niedergelegt bei Gericht oder beim Notar) werden „von Amts wegen“ oder praktisch „automatisch“ an das Nachlassgericht übermittelt.

Alle anderen Testamente müssen von demjenigen, der sie auffindet, an das Nachlassgericht übergeben werden. Eine Verletzung dieser Pflicht kann schwerwiegende Folgen haben (Strafbarkeit bis hin zum Verlust des Erbrechts). Anders als auf dem Bild oben dargestellt, sollte das Testament persönlich übergeben werden – der Sicherheit halber. 

Wenn Sie ein Problem haben im deutschen Erbrecht, so können Sie hier den Kontakt zu uns aufnehmen.

Dr. Donat Ebert Rechtsanwalt - Lawyer (D) office-ebert@email.de

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt – Lawyer (D)
office-ebert@email.de

German pension after divorce – special questions 3

German pension after divorce – special questions 3

We have already described that spouses have to share the pension rights after the divorce, if one of them has acquired a pension in Germany during the marriage . It is irrelevant where the divorce took place and according to which foreign law (not German law). 

What happens, if my ex-spouse got married again after our divorce?

This is not interesting for your claim, it stays the same, whether your „ex“ got married one more time or even ten more times. You get your share of the pension „only“ with respect to the rights acquired during your marriage. What happens afterwards is none of your concern.  

We will check, if you have a claim in Germany towards the pension rights of your ex-spouse. And if we come to the result that you have a claim, we will enforce that for you before the German courts.

Thus we can probably considerably improve your old age benefits, maybe even secure your old age through a guaranteed pension from Germany. 

If you think you might have a claim, you can contact us here. We are happy to assist you in getting what is yours in Germany. 

Dr. Donat Ebert Rechtsanwalt - Lawyer (D) office-ebert@email.de

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt – Lawyer (D)
office-ebert@email.de

Deutschsprachiger Rechtsanwalt in Ungarn

Deutschsprachiger Rechtsanwalt in Ungarn

„Mei, bin i froh, dass ich Sie gefunden habe!“ Habe ich heute wieder von einer Mandantin gehört. 

Die Dame hatte Monate damit verbracht, in einer Erbrechtssache jemanden zu finden, der ihr helfen konnte und den sie versteht und der sie versteht. Dies ist häufig nicht der Fall, aufgrund der Sprachschwierigkeiten. Wer kann schon ungarisch auf einem Niveau, dass man mit hiesigen Rechtsanwälten kommunizieren kann, selbst wenn man ungarische Wurzeln hat.

Und welcher ungarische Rechtsanwalt kann schon so gut deutsch und kennt die deutschen Verhältnisse richtig fundiert, dass er/sie die Mandanten wirklich versteht?

Es gibt in Ungarn zwar viele deutsche Rechtsanwälte, die ungarisch können und zum Teil auch die ungarische Rechtsanwaltszulassung haben. Aber die meisten davon vertreten lieber große Unternehmen, Banken und so weiter. Nicht den „Normalbürger“ mit seinen ganz speziellen Sorgen und Nöten, bei denen engagiert weitergeholfen werden muss. 

Aber jetzt haben Sie mich ja gefunden. Sehen Sie sich um auf meiner Website und wenn Sie einen positiven Eindruck haben – was ich hoffe – dann nehmen Sie den Kontakt hier auf. 

Dr. Donat Ebert Rechtsanwalt in D und HU office-ebert@email.de

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt in D und HU
office-ebert@email.de

 

Das kriegen Sie ohne mich hin

„Das kriegen Sie ohne mich hin!“

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung schrieb kürzlich, dies sei ein Satz, den man niemals von einem Rechtsanwalt zu hören bekäme.

Von mir bekommen Sie diesen Satz zu hören – wenn es denn so ist. 

Garantiert!

Denn ich möchte zufriedene Mandanten, die mich auch weiterempfehlen. Und nicht kurzfristig ein Honorar verdienen, was den Mandanten verärgert zurück lässt. 

Garantiert!

Dr. Donat Ebert Rechtsanwalt - Lawyer office-ebert@email.de

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt – Lawyer
office-ebert@email.de

 

 

 

Vertretung im Erbrecht in Ungarn

Vertretung im Erbrecht in Ungarn

Viele Deutsche verfügen über ein Grundstück am Plattensee oder eine Wohnung in einem der wunderschönen Bürgerhäuser in Budapest – wie auf dem obigen Bild.

Wenn der Eigentümer dann verstirbt, beginnen die Probleme. Nicht nur ist der Verlust eines Menschen zu verarbeiten, es fallen auch Lasten mit dem Nachlass an – noch dazu in einem Land, in dem man die Sprache nicht versteht, das Recht nicht kennt und im Internet keine ausführlichen Informationen findet, auf die man sich verlassen könnte. 

Wir helfen an dieser Stelle weiter: mit Verständnis für Ihre Situation, mit dem erforderlichen Feingefühl – aber natürlich mit dem Focus, Ihnen eine Last bei der juristischen Bearbeitung der Nachlassangelegenheit von den Schultern zu nehmen.

Wenn Sie hier Hilfe brauchen, so nehmen Sie hier den Kontakt mit uns auf. 

Wir helfen gerne, schnell und unkompliziert.

Német ügyvéd

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt in Deutschland und Ungarn
office-ebert@email.de

Compilation of German Laws

Német ügyvéd Budapesten

Német ügyvéd Budapesten

Ha van Önnek Németországban jogi problémája és kell egy német ügyvéd, akkor az első nehézség, hogy talál egy olyan „Rechtsanwalt“-ot, akivel tud szüséges színvonalon kommunikálni. 

És utána, hogy talál egy olyan ügyvédet, aki tudná Önt képviselni Németország szerte.

Hangsúlyozom, hogy én nem értek mindenhez. Komolytalannak találom, ha egy kolléga felsorol akár több mint tíz területet, amelyen ő nagy mester. 

De majdnem 20 év ügyvédkedés után tudom, hogy mihez értek és mihez nem. És ezt szoktom őszintén közölni az ügyfelekkel. Másképpen nem lehet, véleményem szerint. 

Ha van Önnek Németországban jogi problémája, akkor vegyék fel a kapcsolatot velünk. És bízhatnak abban, hogy ha vállalom az ügyet, akkor értek is hozzá.

És ha nem értek hozzá, akkor nagy a valószínűség, hogy tudok valakit, aki igazán szakértő ezen a területen. És amennyiben szükséges és Ön tart igényt erre, akkor segítek a nyelvi problémákban. Így tud megoldást találni a jogi ügyéhez. 

Minden elérhetőségünket itt talál.

Német ügyvéd

Dr. Donat Ebert
Ügyvéd D + HU
nemetugyved@email.de

 

Deutscher Rechtsanwalt in Budapest

Deutscher Rechtsanwalt in Budapest – Vertretung in Deutschland

Ein deutscher Rechtsanwalt in Budapest – keine Seltenheit. Es dürfte davon zwischen 30 – 50 geben, genaue Zahlen hierzu sind schwer zu ermitteln. Die meisten davon jedoch dürften für große Kanzleien arbeiten und sind somit im Bereich des Wirtschaftsrechts tätig.

Was tun Sie jedoch, wenn Sie in Ungarn leben und in Deutschland ein Problem haben? Eines, das nicht in das Tätigkeitsprofil großer Kanzleien fällt und Sie deren Preise nicht bezahlen können oder mögen?

Sie können sich gerne an uns wenden, gleichgültig welcher Art Ihr Problem ist. Zwar liegt unsere Spezialisierung hauptsächlich im Bereich des Erb- und Strafrechts. Aber mit der soliden Ausbildung eines deutschen Rechtsanwalts und mit der Zulassung in Deutschland kann ich Ihnen auch in anderen Bereichen weiterhelfen. Und wenn ich von einer Sache nichts verstehe, so sage ich dies ganz offen. Und kann Ihnen bei der Suche eines Experten weiterhelfen.

Wir konnten schon helfen bei Problemen mit Verkehrsunfällen, Ärger mit Arbeitgebern, Auseinandersetzungen mit Internaten, die von Kindern besucht werden, Streitigkeiten mit Mietern und Vermietern, Nachbarn und Stalkern. Und dies ist nur ein kleiner Teil der Fälle, in denen ich helfen konnte. 

Sprechen Sie mich an, ein Telefonat kostet nichts, einen Termin in meinem Budapester Büro können Sie meistens kurzfristig bekommen.

Unsere Kontaktdaten finden Sie hier.

Dr. Donat Ebert Rechtsanwalt office-ebert@email.de

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt
office-ebert@email.de

Criminal Procedure in Germany – video

Criminal Procedure in Germany – how can we help you

Criminal Procedure in Germany: Some people prefer to listen to information and see things rather than just reading them. Maybe you also get a better impression if you hear the voice of a person and you could get a better basis to judge, whether this could be the right lawyer for you. 

You can find a short video with some slides on how we can help, if one of your loved ones is in detention in Germany. 

Just click here for the video. 

If you have any further questions, do not hesitate to contact us here

Dr. Donat Ebert Rechtsanwalt - Lawyer germanlawyer@email.de

Dr. Donat Ebert
Rechtsanwalt – Lawyer
germanlawyer@email.de

 

Auschwitz-Prozess in Detmold vor dem Landgericht

Auschwitz-Prozess vor dem LG Detmold – Plädoyer des Berliner RA Ernst von Münchhausen

„Hohes Gericht,

Sehr geehrte Staatsanwälte,

Verehrte Kollegen,

es macht wenig Sinn, der rechtlichen Würdigung von Oberstaatsanwalt Brendel und meinen Vorrednern noch etwas hinzuzufügen. Mein Plädoyer wird daher in erster Linie ein Appell an den Angeklagten sein, sich seiner Vergangenheit zu stellen und endlich Antworten zu geben.

Als Vater versuche ich, meine Kinder so gut wie möglich zu anständigen Menschen zu erziehen. Ich denke, dass die meisten Eltern dies versuchen. Sicherlich haben das auch die Eltern des Angeklagten und er selbst es versucht. Und ich bin mir aus verschiedenen Gründen fast sicher, dass er dieses Ziel bei seinen eigenen Kindern sogar erreicht hat. Aber wie passt sein Dienst in Auschwitz dazu?

Vom Angeklagten wissen wir, dass er sich damals für eine langjährige Dienstzeit in Auschwitz und damit gegen den Anstand entschieden hat. Warum er das tat, bleibt bis heute sein Geheimnis. Wir kennen nur seine Legende, die – fast wie im Märchen – besagt, dass die Stiefmutter ihn zum Bösen geführt hat. Tatsächlich wird er aber wohl – wie viele andere junge Menschen damals – durch die Nazis und ihre Ideologie radikalisiert worden sein. Ihm wurde das gefährliche Gefühl vermittelt, zu einer Elite zu gehören. Ja sogar, dass ihm die Zugehörigkeit zu einer Elite von Natur aus zusteht. Er meldete sich daher freiwillig zu einer – wie Herr Gröning in Lüneburg sich ausdrückte – zackigen Truppe. Damals war der Angeklagte jung. Heute ist er alt und müsste eigentlich weise sein.

Weder mein Mandant noch ich sind aber davon überzeugt, dass hier ein weiser alter Mann vor uns sitzt. Gerne, Herr Hanning, lasse ich mich auch jetzt noch vom Gegenteil überzeugen. Bislang jedenfalls stellt sich für mich die Frage, ob sich der Angeklagte in den letzten 70 Jahren wirklich voller Überzeugung auf die Seite des Anstands und des Guten geschlagen hat.

Wir wissen, dass er als Unterscharführer Befehlsgewalt über Mannschaftsdienstgrade besaß und somit Teil der Kommandostruktur im Lager war. Er war Mitglied der SS-Wachmannschaft in Auschwitz und sorgte mit seiner Tätigkeit und seinen Befehlen dafür, dass das schier endlose Morden reibungslos funktionieren konnte. Er sorgte dafür, dass die Wehr- und Arglosigkeit der ankommenden Menschen für ein nie dagewesenes industrielles Morden ausgenutzt werden konnte. Die Opfer konnten sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie ermordet werden sollten. Warum auch? Sie hatten nichts getan, sie waren Menschen wie wir, aus der Mitte der Gesellschaft. Und schon gar nicht konnten sie sich vorstellen, von Deutschen ermordet zu werden. Denn Deutschland war das Land der Kultur und nicht der Barbarei.

Der Angeklagte verkörperte damals das Böse in der Hölle auf Erden. War er stolz darauf, Mitglied der SS zu sein? Ich schaue mir sein Foto in SS Uniform an und meine: Ja! Er war stolz! Aber warum war er stolz und worauf? War er stolz darauf, als Sohn seinen Eltern erzählen zu können, wie viele unschuldige Eltern und Söhne mit seiner Hilfe in den Gaskammern einen schrecklichen Tod starben? Erzählte er ihnen wie die Eltern in den Gaskammern den Todeskampf ihrer Kinder mit ansehen mussten? Der Kinder, die aus den Körperöffnungen bluteten, denen Schaum aus dem Mund quoll und die einfach nur elendig vor den Augen der Eltern zugrunde gingen? War er stolz darauf, seiner schwangeren Frau davon erzählen zu können, wie viele unschuldige schwangere Frauen und Mütter mit Babys durch seine Unterstützung in den Gaskammern umgebracht wurden?  

Herr Hanning: Stellten Sie sich damals wie Dr. Aue aus dem Roman „Die Wohlgesinnten“ die Schwangeren in den Gaskammern vor, die Hände auf den runden Bäuchen, und fragten sich gemeinsam mit Ihrer schwangeren Frau, was mit dem Fötus einer vergasten Frau geschieht, ob er sofort mit seiner Mutter stirbt oder sie etwa um kurze Zeit überlebt, gefangen in diesem toten Behältnis, dem Paradies, das ihn erstickte?

Die SS Wachmänner und somit auch der Angeklagte waren keine Menschen, sie waren das personifizierte Böse. Mit brutalen Methoden wurden Häftlinge bestraft, die es als primitive Untermenschen auch nur wagten, den Herrenmenschen – der Elite – in Gestalt eines SS Mannes in die Augen zu schauen. Aber was ist heute? Wer schaut heute wen an? Und was ist aus diesem einst so stolzen SS Mann geworden?

Wir haben in diesem Verfahren Überlebende des Holocaust gesehen und gehört, die aufrecht und mit fester Stimme über den Horror von Auschwitz und ihr eigenes Leid berichtet haben. Diese Zeugen haben trotz der erlittenen Qualen und trotz ihres hohen Alters keine Mühen gescheut, um hierher nach Detmold zu kommen und dem Angeklagten ins Gesicht zu schauen. Sie sind tausende Kilometer gereist, um vor einem deutschen Gericht Zeugnis abzulegen über das Unvorstellbare. Die Stärke dieser Auschwitzüberlebenden hat mich zutiefst beeindruckt.

Diese Zeugen sind mit ihrer Aussage vor Gericht keinen einfachen Weg gegangen. Dennoch haben sie dem Angeklagten unerschrocken in die Augen geschaut. Und was machte der Angeklagte? Er flüchtete vor diesen Blicken, indem er ohne Reaktion zusammengesunken auf den Boden starrte. Es war eine verkehrte Welt. Warum wagte es der Angeklagte nicht, seine ehemaligen Opfer anzuschauen? Schläge musste er nicht befürchten. War es Scham, Verdrängung, Desinteresse, Hilflosigkeit? Erklären Sie uns das Herr Hanning!

Der Zeuge Schwartzbaum beschwor Sie: Wir beide stehen bald vor dem höchsten Richter! Reden Sie! Ein großes Wort des mutigen Herrn Schwartzbaum. Leider ohne Reaktion. In einem am 23.12.2013 abgehörten Telefonat mit Herrn Begemann behaupteten Sie, die Strapazen der Kriegsgefangenschaft nur durch Ihren Glauben überstanden zu haben. Wo aber bleibt Ihre Reaktion gegenüber Herrn Schwartzbaum und all den anderen Nebenklägern als gläubiger Mensch und Christ?

Die Zeugin Orosz Richt-Bein sprach Sie mehrfach direkt namentlich an. Sie verschanzten sich hinter ihren Verteidigern, die sich eine direkte Ansprache ihrer Person verbaten. Das blieb Ihre einzige und letztendlich feige Reaktion. Warum mussten Ihre Verteidiger Sie vor einer alten Dame beschützen? Wovor brauchen Sie Schutz? Vor den Erinnerungen? Vor diesen kann man sich nur schützen, indem man sie freilässt und ohne Rücksicht Zeugnis ablegt.

Die großen und bewegenden Auftritte der Überlebenden, die wir hier gehört haben, dürfen uns aber über eines nicht hinwegtäuschen: Die Wunden der Überlebenden sind tief. Es sind offene Wunden, die nie heilen werden und sogar die nachfolgenden Generationen quälen. Unzählige Überlebende haben die Erinnerungen nicht ertragen und Suizid begangen. Es gibt genug Überlebende, die keine Kraft gehabt hätten, einem ehemaligen SS Mann gegenüberzusitzen geschweige denn vor einem deutschen Gericht ihre eigene Geschichte zu erzählen. Und schon gar nicht hätten diese Überlebenden die Kraft gehabt, das von den Verteidigern vorgelegte Bild des Angeklagten als stolzen SS Mann anzusehen und die erratische Frage zu beantworten, ob sie diesen Mann schon einmal gesehen haben.

Als ich vor einiger Zeit das Holocaust Survivor Center in London besuchte, um dort mit Überlebenden zu sprechen, wurde mir von der Leiterin des Centers vorab folgende Anweisung gegeben: Sprechen Sie bitte kein Deutsch, für viele Bewohner ist diese Sprache unerträglich. Es fiel tatsächlich schwer, kein Deutsch zu sprechen, da einige Überlebende ein geradezu unstillbare Verlangen hatten, mit mir Deutsch zu sprechen – die Sprache ihrer Kindheit und ihrer einstigen Heimat. Herr Hanning, Sie haben dafür gesorgt, dass unsere Sprache und der Gedanke an unser Land für diese Menschen unerträglich geworden sind.

In diesem Survivor Centre werden die Überlebenden nach 70 Jahren immer noch psychologisch betreut, es wird dort nie eine dünne Suppe ausgeschenkt und immer ist genügend Brot vorhanden. Einer der Überlebenden berichtete, er nutze seine Häftlingsnummer grundsätzlich als PIN Nummer. Denn diese Nummer würde er sein ganzes Leben nicht vergessen. Jüdischer Humor ist glücklicherweise manchmal unverwüstlich. Rührend war die Freude meiner Lüneburger Mandantin, Frau Parker, als sie meinen Nachnamen hörte. Die Geschichten des urdeutschen Lügenbarons waren die Lieblingsgeschichten ihrer Kindheit – die ferne Erinnerung an eine unbeschwerte Zeit, die mit der Deportation ihr jähes Ende fand. Sie lebte nach dem Krieg jahrelang mit ihrem Vater, der Bergen-Belsen überlebt hatte, zusammen in einer kleinen Wohnung. Trotz der räumlichen Nähe herrschte Schweigen. Niemals sprachen sie über das, was sie erlebt hatten, der Schmerz war zu groß. Es war das Schweigen der Opfer. Auch meine Urgroßmutter und ihre Kinder schwiegen bis zuletzt über ihre Zeit im Konzentrationslager. Dabei wurden sie als sogenannte Sonderhäftlinge der SS sogar noch vergleichsweise gut behandelt. Frau Parker schwieg – bis sie 2003 ihre Erlebnisse aufschrieb. Mir sagte sie, dass sie das schon viel früher hätte tun sollen, es sei wie eine Befreiung gewesen. Nicht Arbeit macht frei Herr Hanning, sondern Sprechen.

Nur einen kurzen Augenblick haben wir in diesem Verfahren die Stimme des Angeklagten gehört als er seine kurze und nichtssagende Erklärung verlas. Weit entfernt, unpersönlich und distanziert. Ansonsten saß der Angeklagte zusammengesunken da und schwieg. Er blickte nur hoch, wenn es um die Darstellung von Unterlagen aus seiner Dienstzeit ging.

Der Auftritt der Nebenkläger in diesem Verfahren beeindruckte gerade auch als Gegensatz zu diesem zusammengesunkenen Bild des Angeklagten. Auch sonst gab es nichts auf Seiten des Angeklagten. Seine Einlassung erweckte den Eindruck, er sei ein Zaungast oder eine Art Spaziergänger in Auschwitz gewesen wie es der Kollege Walther ausdrückte. Ich würde sogar davon sprechen, dass sich der Angeklagte hier als der „gute Mensch“ von Auschwitz darstellen wollte. Voller Barmherzigkeit will er einer verzweifelten Frau und einem Häftling geholfen haben. Wo bleibt hier die Realität? Wo ist hier das Augenmaß in Anbetracht des Grauens? In der von ihm abgegebenen Erklärung sagte Reinhold Hanning: Auschwitz war ein Albtraum. Wo spiegelte sich in seiner Erklärung und seiner Einlassung dieser Albtraum? Bei seinen Spaziergängen hätte der Angeklagte sehen könne, dass für die Ankunft der hunderttausenden Juden aus Ungarn keinerlei neue Baracken gebaut, sondern lediglich die Krematorien erweitert wurden. Er hätte sehen können, dass die Rampe vor die Gaskammern verlegt worden war, um die Waggons direkt am Fuße der Gaskammern entladen zu können. Ihm hätte klar werden müssen: Hier geht es ausschließlich um Vernichtung. Der gute Mensch von Auschwitz aber setzte unbekümmert seinen Spaziergang und seinen Dienst fort. Herr Hanning: Sie haben doch all dieses Leid auch gesehen. Tragen Sie diese Dinge noch in Ihrem Herzen? Wo sind diese Bilder? Was haben Sie damit gemacht?

Der Angeklagte hat mit seinem Schweigen ein ihm nach der Strafprozessordnung zustehendes Recht wahrgenommen Aber zugleich hat er seine moralische Pflicht gegenüber den Überlebenden, gegenüber den nachfolgenden Generationen und auch gegenüber unserem Land missachtet. Die Überlebenden haben ein Recht darauf, vom Angeklagten die Wahrheit und Antworten auf ihre Fragen zu hören. Denn nur so können sie am Ende ihres Lebens vielleicht ein bisschen Frieden finden. Das Recht auf Antworten steht auch den nachfolgenden Generationen zu. Denn diese können nur aus der Wahrheit lernen. Sie können nur aus den Antworten der Großelterngeneration ihre Schlüsse ziehen, um dem heute wieder erstarkenden Antisemitismus, Nazismus und Radikalismus entgegenzutreten. Und unser Land wiederum kann nur durch die Wahrheit über die Vergangenheit mit dieser umgehen und mit der Gegenwart zurechtkommen.

Mit diesem Verfahren hatte der Angeklagte eine große Chance. Er hat sie noch – mit seinem Schlusswort. Diese Chance hat er nicht nur vor den Überlebenden, denen er bislang alles schuldig geblieben ist. Nicht nur vor der Geschichte und vor unserem Land, sondern auch vor sich selbst und vor seinem persönlichen Umfeld. Begreifen Sie dieses Verfahren als Chance Herr Hanning und nutzen Sie sie!

Ihr zusammengesunkenes Schweigen ist zu wenig und letztlich unwürdig. Dieses Schweigen hinterlässt sowohl meinen Mandanten als auch mich selbst ratlos. Wie kann ein Mensch, der Kinder und Enkelkinder hat, der als angesehener Mann in einem kleinen Ort lebt, mit den Erinnerungen an Auschwitz leben? Herr Hanning: Als SS Mann haben Sie ohne Zögern Ihre vermeintliche Pflicht in Auschwitz erfüllt. Vorher hätten Sie an der Front sogar jederzeit in Erfüllung Ihrer Pflicht für Ihr Vaterland das Leben gegeben. Dann erfüllen Sie jetzt Ihre verdammte Pflicht gegenüber den Überlebenden von Auschwitz und der Geschichte unseres Landes! Reden Sie und geben Sie Antworten!

Mein Mandant György Schwarc hatte eine Halbschwester, Ewa. Ewa war ein kleines Mädchen. Sie wollte – wie jedes Kind – eine unbeschwerte Kindheit leben, mit ihren Freundinnen spielen und später einmal wie ihre Mutter werden. Als kleines Kind forderte sie schlicht den ihr zustehenden Teil des Glücks. Und sie hatte dazu jedes Recht. Die SS und damit der Angeklagte haben ihr dieses Recht abgesprochen. Ewa wurde mit 6 Jahren in einem Viehwaggon nach Auschwitz deportiert und dort zusammen mit ihrer Mutter direkt nach der Ankunft vergast. Herr Hanning: Ein 6-jähriges Mädchen! Erinnern Sie sich an Ihre Enkeltochter mit 6 Jahren? Was haben Sie ihr damals für die Zukunft gewünscht?

Ewa war ein 6-jähriges Mädchen, das noch sein ganzes Leben vor sich hatte. Sie wurde vergast und der Angeklagte hat dies möglich gemacht. Der Vater meines Mandanten zündete noch lange nach Ende des Krieges an jedem Geburtstag Ewas eine Kerze an. In aller Stille weinte er und gedachte seiner ermordeten Tochter. Wie erklärt der Angeklagte seine Verantwortung für den Tod Ewas und hunderttausender anderer Kinder, Mütter, und Väter seinen eigenen Kindern und Enkeln? Wie erklärt er es sich selbst? Im Gedenken an Ewa hatte mein Mandant auf Antworten des Angeklagten gehofft.

Der Angeklagte hat sich des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gemacht. Er hat die Ermordungen, die vernichtenden Lebensbedingungen und die Erniedrigungen gutgeheißen und zu keinem Zeitpunkt versucht, sich diesem Albtraum zu entziehen. Seine Akte wies ihn als kriegsverwendungsfähig aus, so dass er sich ohne weiteres zur Front hätte melden können. Dies wäre auch die logische Konsequenz seiner eigenen Einlassung gewesen, da er die angeblich fehlende Kameradschaft und das mangelnde Vertrauen unter den SS-Männern in Auschwitz bedauerte. Eine Kameradschaft und ein Vertrauen, welches er bei der Truppe an der Front geschätzt hatte. Ferner ist er während seiner Dienstzeit befördert worden, ein Indiz dafür, dass er seinen Dienst mit besonderem Eifer erfüllte. Und schließlich hat er sich noch kurz vor Ende des Krieges für weitere 12 Jahre verpflichtet. Eine solche Weiterverpflichtung wäre völlig ausgeschlossen gewesen, wenn ihm die Schrecken von Auschwitz menschlich nahegegangen wären. Die logische Schlussfolgerung aus seiner Weiterverpflichtung ist sogar noch dramatischer: Er bestätigte damit, dass er die Ermordungen und Erniedrigungen Unschuldiger gutgeheißen hat.

Den Großteil seines Lebens hat der Angeklagte in der alten Bundesrepublik verbracht, einem Rechtsstaat. Vielleicht ist es die Sozialisierung in der alten Bundesrepublik die den Angeklagten hier schweigen lässt. Denn die alte Bundesrepublik war im Hinblick auf die Verfolgung von Nazis und das Aufarbeiten der Nazivergangenheit eine Schweigerepublik. Die Gesellschaft wollte einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen.

Als beredtes Beispiel für diese noch in den 1980er Jahren herrschende Stimmung möchte ich als gebürtiger Detmolder aus meiner Schulzeit berichten: In meiner Schule hier in Detmold wurde ich zusammen mit zwei Freunden von Lehrern und Mitschülern diffamiert, weil wir gegen einen Lehrer vorgegangen waren, der im Unterricht behauptet hatte, auf den Fotos mit toten KZ Häftlingen seien in Wirklichkeit Gummipuppen zu sehen. Vernichtungslager habe es auf deutschem Boden gar nicht gegeben. Anstatt diesen Lehrer, dessen Äußerungen seit Jahren schulbekannt waren, sofort zu entlassen oder zumindest abzumahnen, mussten wir uns als Schüler vor dem versammelten Lehrerkollegium dafür rechtfertigen, dass wir die Äußerungen des Lehrers im Unterricht mitgeschrieben hatten und damit zur Schulbehörde gegangen waren. Uns wurde von Lehrern und Mitschülern Nazimethoden vorgeworfen.

Bei dieser Stimmung verwundert es nicht, dass Naziverbrechen, wenn überhaupt, nur halbherzig verfolgt wurden. Von den ca. 6.500 SS-Leuten, die in Auschwitz tätig waren, wurden in der Bundesrepublik die wenigsten angeklagt und überhaupt nur 29 verurteilt. Damit haben sich auch die deutsche Nachkriegsjustiz und die Nachkriegspolitik schuldig gemacht. Auch sie müssten hier auf der Anklagebank sitzen. Als Beweis für deren Untätigkeit sitzt hier stattdessen der Angeklagte. Unsere Justiz und unsere Politik haben dafür gesorgt, dass die große Masse der Mörder und ihrer Helfershelfer davonkamen und ihre Taten ungesühnt blieben. Ja sogar noch mehr: Sie sorgten dafür, dass Naziverbrecher als anerkannte Mitglieder der deutschen Gesellschaft unbehelligt in unserer Mitte leben konnten.

Dieses Versagen der Justiz kann im hiesigen Verfahren aber nicht dazu führen, dass es eine Strafmilderung für den Angeklagten gibt. Denn dies würde bedeuten, dass der Angeklagte gerade wegen dieses institutionellen Unrechts bei der juristischen Bewertung des von ihm begangenen individuellen Unrechts privilegiert werden würde. Das würde nicht einer bitteren, ja sogar grausamen Ironie entbehren. Die Tatsache der stillschweigenden und jahrzehntelangen faktischen Strafvereitelung kann und darf jetzt nicht Grundlage für eine Strafmilderung sein. Dass Taten wie die des Angeklagten jahrzehntelang ungesühnt blieben, sollte allenfalls unsere Scham vergrößern, die Scham über unsere Justiz und die Scham über unsere Politik. Aber sie sollte nicht zu einem geringeren Strafmaß führen.

Auch ich wurde oft und fast vorwurfsvoll gefragt, was dieses Verfahren soll. Das Entscheidende ist: Dieses Verfahren muss stattfinden, weil wir es den Opfern und unserem Land schuldig sind. Mein Mandant und andere mir bekannte Nebenkläger wollen dieses Verfahren, sie wollen ein klein wenig Gerechtigkeit am Ende ihres Lebens. Dabei geht es nicht darum, den Angeklagten im Gefängnis zu sehen, sondern darum, begangenes schlimmstes Unrecht durch das Urteil eines deutschen Gerichts bestraft zu sehen. Die Nebenkläger sind unserem Land und unserer Justiz außerordentlich dankbar dafür, dass diese Anstrengungen unternommen werden, um Recht zu sprechen – auch wenn es 70 Jahre zu spät kommt und eine viel zu lange Zeit der Tatenlosigkeit dazwischenlag.

Und Mitleid mit dem Angeklagten? Ja, er ist ein gebrechlicher, alter Mann. Wir sollten aber eines nicht vergessen: wer hatte Mitleid mit den schwachen und wehrlosen Menschen an den Rampen von Auschwitz, die völlig erschöpft, halb verhungert und verdurstet aus Viehwaggons getrieben wurden? Wer hatte Mitleid mit der 6 jährigen Ewa? Niemand. Nicht Reinhold Hanning und nicht seine Komplizen.

Zum Schluss meines Plädoyers möchte ich nicht verhehlen, dass mich das Verfahren hier in Detmold – aber auch schon das in Lüneburg – persönlich sehr bewegt hat. Die Beschäftigung mit dem Thema Auschwitz ist für uns alle in Deutschland enorm wichtig, auch wenn wir das Unbegreifliche wohl niemals begreifen werden. Es wäre daher nicht nur hilfreich, sondern angemessen und notwendig, dass der Angeklagte zu guter Letzt doch noch über seinen Schatten springt und den nachfolgenden Generationen Einblick in sein Damals gewährt. So wie das Herr Gröning in Lüneburg getan und damit durchaus Größe gezeigt hat. Zugleich könnte der Angeklagte damit auch seinen eigenen Frieden finden – dafür müsste er aber natürlich seine eigene Historie kritisch hinterfragen. Ich hoffe, dass er dies tut und uns nicht noch einer weiteren Illusion – nämlich der der Weisheit des Alters beraubt.“

RA Ernst von Münchhausen, einen Link zu seiner Homepage finden Sie hier.

RA Ernst Frhr. von Münchhausen

RA Ernst Frhr. von Münchhausen

Nebenklage Auschwitz – der Strafprozess gegen R. Hanning in Detmold

Nebenklage Auschwitz

Schlussvortrag des Rechtsanwalts Onur U. Özata in der Strafsache gegen Reinhold Hanning vor dem Landgericht Detmold am 10.06.2016

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

sehr geehrte Damen und Herren Richter,

sehr geehrte Herren Staatsanwälte,

werte Kollegen,

meine Damen und Herren,

seit 17 Verhandlungstagen verhandeln wird über die Frage, ob sich der Angeklagte der Beihilfe zum hunderttausendfachen Mord schuldig gemacht hat.

Wir hörten die Überlebenden an, prüften zeithistorische Dokumente, befragten Sachverständige und vernahmen die 22-Seitige Stellungnahme des Angeklagten und seine persönliche Erklärung, in der er Reue zeigte. Der Angeklagte äußerte sich, wenn man seinen Worten glauben schenken möchte, erstmalig zu seinen Taten im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Er tat dies, obwohl er hätte weiter schweigen können.

Der Angeklagte zeichnet das Bild eines unpolitischen, meinungslosen und gehorsamen Menschen von sich, der nur zufällig nach Auschwitz geraten ist. Und nur beiläufig habe er mitbekommen, was man den Menschen dort antat.

So erklärte er:

„Als ich mehrere Wochen in Auschwitz war, war mir bekannt, was dort mit den Häftlingen geschah. Dies offenbarte sich mir nicht sofort, ich bekam dies mit der Zeit jedoch mit. In den ersten Tagen hat uns niemand darüber erzählt. Wenn man aber, wie ich, längere Zeit da war, dann bekam man auch mit, was dort ablief.

Es wurden Menschen erschossen, vergast und verbrannt. Ich konnte sehen, wie Leichen hin- und hergefahren oder abtransportiert wurden, ja, das bekam man mit. Ich nahm Verbrennungsgeruch war. Ich wusste, dass man Leichen verbrannte.“

Doch hat sich der Angeklagte mit diesen Worten wirklich offenbart? Hat er aufrichtig bereut? Ist nun alles gesagt?

Mitnichten, vielmehr haben wir es mit einem Mann zu tun, der bis heute den kritischen Blick in seine  Vergangenheit nicht wagt. Ein Mensch, der nicht ausspricht, was er tatsächlich sah und hörte, der nicht ausspricht, was er tat und dachte. Hanning spricht seit 70 Jahren die Sprache der Sprachlosigkeit.

Der Angeklagte war vom 23.01.1942 bis 13.06.1944 in Auschwitz eingesetzt. Das sind 28 Monate oder 827 Tage. An jedem dieser Tage, an denen der Angeklagte seinen Dienst versah, wurden durchschnittlich 800 Menschen vergast, erschossen, erschlagen, gehängt, durch Hunger und Krankheit in den Tod getrieben oder auf andere niederträchtige Art und Weise ermordet.

Wir sind sprachlos, angesichts der Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes, die Sie Herr Hanning mitzuverantworten haben. Wie soll man auch Gedanken fassen, Worte finden für das, was dort in Auschwitz geschah. Elie Wiesel warf die immerwährende Frage auf,  wie es möglich war, dass intelligente und gebildete Menschen tagsüber mit Maschinengewehren auf hunderte Kinder schießen und sich am Abend an den Versen Schillers oder einer Partitur von Bach erfreuen.

Auch meine Mandantin Leah Herman war noch ein unbeschwertes Kind, als sie mit ihrer Familie verschleppt wurde. Auschwitz nahm Leah ihre Liebsten, ihre gemeinsame Vergangenheit und Zukunft. Auschwitz nahm Leah ihre Kindheit. Sie war ein Kind, das nicht Kind sein durfte.

Vielleicht haben auch Sie Leah gesehen, als sie noch ein Kind war, Herr Hanning? Warum erzählen Sie uns nicht von den Kindern in Auschwitz, denen man Nummern auf die Arme tätowierte? Konnten Sie die Angst und das Grauen in den Gesichtern dieser kleinen, großen Menschen erkennen? Und was ging in Ihnen vor? Woran dachten Sie, als Sie später Ihr eigenes Kind zum Schlafen betteten, vielleicht in einem gestreiften Schlafanzug, aber ohne Davidstern auf der Brust? Hören Sie beizeiten die ewigen Schreie derer, die gewaltsam Ihren Müttern entrissen wurden?

Geben Sie uns Antworten. Geben Sie Leah Antworten, damit auch sie vielleicht Ihre innere Sprachlosigkeit überwinden kann.

Aus einem abgehörten Telefonat zwischen dem Angeklagten und einem guten Bekannten von vor zweieinhalb Jahren wissen wir, dass Hanning stolz ist, dass er und seine Generation von Adolf, gemeint ist Adolf Hitler, als „hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder“ bezeichnet worden war. Eine Distanzierung vom Nationalsozialismus und dem Hauptverantwortlichen des Völkermords an den europäischen Juden hört sich gewiss anders an.

Daher überzeugt es auch nicht, wenn der Angeklagte erklärt, dass er nur auf Drängen seiner Stiefmutter zur SS gegangen ist. Was war seine Triebfeder? Was haben die Jahre der Indoktrinierung und Propaganda, denen er ausgesetzt war, mit ihm gemacht?

Von Thomas Mann stammt der Satz: „Es war nicht eine kleine Zahl von Verbrechern, es waren Hunderttausende einer sogenannten deutschen Elite, Männer, Jungen und entmenschte Weiber, die unter dem Einfluss verrückter Lehren in kranker Lust diese Taten begangen haben“.

Es wäre zu wünschen gewesen, dass der Angeklagte seine damalige politische Gesinnung heute offen reflektiert. Oskar Gröning, der im letzten Jahr am Landgericht Lüneburg für seine Tatbeteiligung in Auschwitz-Birkenau vor Gericht stand, legte den Blick in sein damaliges ideologisches Weltbild frei. Und man muss ihm dankbar hierfür sein, weil er zumindest den Versuch unternahm, die grausame Moral- und Sinnlosigkeit zu erhellen, die dem Menschenhass und speziell dem Antisemitismus zu Grunde liegt.

Herr Hanning, Sie geben keine Antworten. Sie schweigen noch immer, in der Hoffnung zu vergessen. Wir, die nachfolgenden Generationen, dürfen und werden aber nicht vergessen und müssen verstehen, wie aus den Hunderttausenden Täter werden konnten. Wir wissen um die erneuten Gefahren von Nationalismus, Antisemitismus, Rassenhass und Islamfeindlichkeit bei uns in Deutschland. Den Zivilisationsbruch Auschwitz dürfen wir nie wieder zulassen.

Wenn der Angeklagte aufrichtig bereut, dann trifft ihn die Verantwortung zur Aufklärung. Das letzte Wort gebührt ihm.

Ich stelle im Vertrauen auf die Weisheit des Gerichts keinen Strafantrag.

Ö z a t a, Rechtsanwalt

Onur Özata

RA Onur Özata

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